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Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter sichern eine qualifizierte präklinische Versorgung in Notfällen. Die Fähigkeit dazu erwerben sie in einer fundierten und umfassenden notfallmedizinischen Ausbildung. Trotzdem wird die Kompetenz der Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter immer wieder diskutiert. Unlängst hat die Landesärztekammer Baden-Württemberg auf Anfrage des SWR erklärt, Notfallsanitäterinnen könnten Situationen nicht so gut einschätzen wie Ärzte und müssten deshalb immer auf den Notarzt warten. Als Arbeitgeber und Ausbilder von Notfallsanitätern widersprechen wir dieser Position entschieden und fordern Rechts- und Handlungssicherheit im Rettungsdienstalltag.

 

In lebensbedrohlichen Situationen müssen Notfallsanitäter helfen. Ihre Aufgabe ist es, Patienten bis zum Eintreffen des Notarztes zu versorgen. Im Alltag läuft das nicht immer reibungslos. Ist der Notarzt in einem anderen Einsatz oder noch unterwegs, ist der Notfallsanitäter auf sich allein gestellt. Seine Aufgabe ist es unter Umständen, Leben zu retten oder schwere Folgeschäden zu verhindern. Diese Pflicht bringt die Retter aber in eine rechtliche Grauzone: Wenden Sie das in der Ausbildung erworbene Wissen und ihre Fähigkeiten an und helfen damit dem Patienten, besteht diese Möglichkeit derzeit nur als „rechtfertigender Notstand“. 

Lücke zwischen gesetzlichen Vorgaben und Rettungsdienstalltag

„Zwischen den Anforderungen im Rettungsdienstalltag und den gesetzlichen Vorgaben klafft eine Lücke, die es zu schließen gilt. Die rechtlichen Rahmenbedingungen erlauben es aktuell nur eingeschränkt, vorhandenes Wissen anzuwenden“, stellt Daniel Groß, stellvertretender ASB-Landesgeschäftsführer und zuständig für den Rettungsdienst, fest. 

Auch für Christoph Nießner, Landesarzt des ASB, aktiver Notarzt und Leitender Notarzt in der Region Karlsruhe steht die Kompetenz der Rettungsdienstler außer Frage: „Nach drei Jahren Ausbildungszeit sind Notfallsanitäter in der Lage, eigenverantwortlich medizinische Maßnahmen durchzuführen, die Patienten in lebensbedrohlichen Zuständen helfen. Sie können sowohl über Medikamentengaben entscheiden, als auch venöse Zugänge legen.“

Nießner weiter: „Es ist unmoralisch, Menschen an Schmerzen leiden zu lassen und auf den Vorgriff der ärztlichen Maßnahme der Schmerzlinderung zu verzichten. Das heißt keinesfalls, dass auf die ärztliche Versorgung verzichtet werden kann. Es geht einzig um eine in bestimmten Situationen notwendige Überbrückung der Zeit bis zum Eintreffen eines Arztes um menschliches Leiden reduzieren.“

ASB fordert Handlungs- und Rechtssicherheit

Seit 2014 gibt es das Berufsbild des Notfallsanitäters, der bis 2023 den Rettungsassistenten endgültig ablösen soll. Die Ausbildung wurde reformiert: modernisiert und verlängert, der Praxisbezug verstärkt. Diese Anstrengungen haben zu einer deutlichen Verbesserung des theoretischen Wissens und der praktischen Kompetenzen des Rettungsdienstspersonals geführt.

Für den ASB ist klar, dass Rechts- und Handlungssicherheit geschaffen werden muss. „Mit der Neuausrichtung und Aufwertung der Ausbildung haben wir den Weg bereitet für die entscheidenden Kompetenzen, die Leben retten. Letztendlich geht es jetzt darum, dem Notfallsanitäter die erlernten Kompetenzen auch anzuerkennen“, so Daniel Groß. „Der Alltag im Rettungsdienst sowie kontinuierliche Fort- und Weiterbildungen – auch in unserem gemeinsam mit den RKI Kliniken betriebenen Simulationszentrum in Vaihingen/Enz sichern die hohe Qualität unserer notfallmedizinischen Versorgung“.

Lesetipp

Das BRK hat in seiner Stellungnahme zur Äußerung der Landesärztekammer die Gesetzeslage übersichtlich dargestellt: „Landesärztekammer verkennt Alltag im Rettungsdienst".

 

Notfallsanitäter im Einsatz_Dan Becker

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto: Dan Becker